Pilzvergiftungen Deutschland Statistik Tabelle: Anrufe bei Giftnotrufzentralen nach Pilzarten & Schweregrad 2026

Pilzvergiftungen gehören zu den saisonal auftretenden Vergiftungsfällen in Deutschland. Besonders während der Pilzsaison im Spätsommer und Herbst wenden sich regelmäßig Menschen an die Giftinformationszentren, weil selbst gesammelte Pilze möglicherweise mit giftigen Arten verwechselt wurden. Eine zentrale bundesweite Statistik nach Pilzart und Schweregrad ist für 2026 allerdings noch nicht vollständig verfügbar.

Das liegt auch daran, dass das Deutsche Vergiftungsregister (DVR) erst zum 1. Januar 2026 gestartet ist. In diesem Register sollen die Meldungen der sieben deutschen Giftinformationszentren zusammengeführt und bundesweit ausgewertet werden. Dadurch soll künftig erstmals ein umfassender Überblick über das Vergiftungsgeschehen in Deutschland entstehen.

Pilzvergiftungen 2026: Was sagen die verfügbaren Statistiken?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) berichtet, dass die deutschen Giftinformationszentren jedes Jahr einige Tausend Anfragen zu Pilzen erhalten. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um bestätigte Vergiftungen, sondern auch um Vergiftungsverdachtsfälle und Anfragen zur Einschätzung von Risiken.

Eine wichtige Besonderheit ist deshalb die Unterscheidung zwischen Anrufen, Vergiftungsverdachtsfällen, medizinisch behandlungsbedürftigen Vergiftungen und schweren beziehungsweise tödlichen Verläufen.

Statistik-Tabelle: Pilzvergiftungen und Giftnotrufdaten

Kennzahl Deutschland 2026 Einordnung
Giftinformationszentren 7 bundesweit zuständige Zentren
Start des Deutschen Vergiftungsregisters 1. Januar 2026 zentrale Erfassung beginnt
Anfragen an Giftinformationszentren insgesamt rund 300.000/Jahr alle Vergiftungs- und Verdachtsfälle
Pilzanfragen mehrere Tausend/Jahr BfR-Angabe für die GIZ insgesamt
Bundesweite Pilzstatistik nach Arten noch nicht vollständig veröffentlicht Datenaufbau läuft
Häufige gefährliche Pilzgruppe Knollenblätterpilze insbesondere Grüner Knollenblätterpilz
Anteil der GIZ-Anfragen mit möglichem Knollenblätterpilz etwa 10 % BfR-Angabe
Anteil tödlicher Pilzvergiftungen, der laut BfR auf Knollenblätterpilze entfällt mindestens 80 % Schätzung des BfR

Die Werte in dieser Tabelle dürfen nicht miteinander gleichgesetzt werden. Insbesondere handelt es sich bei den mehreren Tausend Pilzanfragen nicht automatisch um schwere Vergiftungen.

Welche Pilzarten spielen bei Vergiftungsverdacht eine Rolle?

Besonders problematisch sind giftige Doppelgänger beliebter Speisepilze. Der Grüne Knollenblätterpilz ist dabei von besonderer Bedeutung. Er kann beispielsweise mit essbaren Champignons oder Täublingen verwechselt werden. Die enthaltenen Amatoxine können schwere Leberschäden bis hin zum Leberversagen verursachen.

Auch andere giftige Arten beziehungsweise Pilzgruppen werden bei den Beratungen der Giftinformationszentren regelmäßig genannt.

Pilz bzw. Pilzgruppe Typisches Problem Möglicher Schweregrad
Grüner Knollenblätterpilz Verwechslung mit essbaren Pilzen sehr schwer bis lebensbedrohlich
Pantherpilz Verwechslung mit anderen Wulstlingen leicht bis schwer
Risspilze enthalten Muskarin teilweise schwer
Karbolegerling Verwechslung mit Champignons meist Magen-Darm-Beschwerden
Heudüngerlinge Aufnahme insbesondere durch Kinder möglich häufig eher leicht
unbekannte Pilzart fehlende sichere Bestimmung abhängig von der Art

Die konkrete Symptomatik hängt wesentlich von der aufgenommenen Pilzart, der Menge und der betroffenen Person ab. Deshalb kann aus einem Anruf beim Giftnotruf allein nicht auf den späteren Schweregrad geschlossen werden.

Knollenblätterpilze als besonders gefährliche Ursache

Der Grüne Knollenblätterpilz gehört zu den gefährlichsten Giftpilzen Deutschlands. Nach Angaben des BfR werden ungefähr 10 Prozent der Anfragen bei Giftinformationszentren im Zusammenhang mit einem möglichen Knollenblätterpilz gebracht. Gleichzeitig schätzt das BfR, dass Knollenblätterpilze für mindestens 80 Prozent der tödlich verlaufenden Pilzvergiftungen in Deutschland verantwortlich sind.

Das zeigt, warum die reine Anzahl der Anrufe wenig über die Gefährlichkeit einer Pilzart aussagt. Eine seltenere Pilzart kann für einzelne Betroffene wesentlich gefährlicher sein als eine Art, die häufiger zu Beratungsanrufen führt.

Regionale Statistik zeigt saisonale Schwankungen

Regionale Daten verdeutlichen, wie stark das Anrufaufkommen von der Jahreszeit und den Wetterbedingungen abhängen kann. Beim Gemeinsamen Giftinformationszentrum der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden im ersten Halbjahr 2025 insgesamt 151 Fälle wegen vermuteter Pilzvergiftung registriert. Im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres waren es 111 Fälle. Allein im August 2025 wurden 62 Anrufe gezählt, gegenüber 21 im August 2024.

Dabei wurden unter anderem Heudüngerlinge, Risspilze, Pantherpilze, Karbolegerlinge und Knollenblätterpilze als problematische Pilze genannt. Nicht in jedem Fall konnte die Pilzart eindeutig bestimmt werden.

Diese Zahlen sind ausdrücklich Regionaldaten und keine Deutschlandstatistik.

Schweregrade bei Pilzvergiftungen

Bei einer Statistik über Pilzvergiftungen ist der Schweregrad besonders wichtig. Ein Anruf beim Giftnotruf bedeutet nicht automatisch, dass eine schwere Vergiftung vorliegt.

Vereinfacht lässt sich die Situation folgendermaßen darstellen:

Schweregrad Typische Bedeutung
Kein Vergiftungsverdacht bestätigt Pilz möglicherweise essbar oder ungefährlich
Leichte Vergiftung beispielsweise Übelkeit, Bauchschmerzen oder Erbrechen
Mittelschwere Vergiftung ausgeprägte Magen-Darm- oder neurologische Beschwerden
Schwere Vergiftung Organbeteiligung oder intensive medizinische Behandlung
Lebensbedrohliche Vergiftung beispielsweise schweres Leberversagen
Tödlicher Verlauf insbesondere bei bestimmten hochgiftigen Pilzen möglich

Die Symptome können außerdem zeitlich unterschiedlich auftreten. Bei manchen Pilzvergiftungen beginnen Beschwerden relativ schnell, während gefährliche Lebergifte zunächst eine scheinbare Beschwerdefreiheit ermöglichen können. Deshalb sollte eine mögliche Vergiftung nicht allein anhand des aktuellen Befindens beurteilt werden.

Warum eine bundesweite Statistik ab 2026 wichtiger wird

Mit dem Deutschen Vergiftungsregister verändert sich die Datengrundlage. Das BfR führt darin die Informationen der deutschen Giftinformationszentren zusammen. Nach vollständiger Anbindung der Zentren werden voraussichtlich mehr als 200.000 Fälle pro Jahr in die Datenbank einfließen, ergänzt um weitere Meldungen der Unfallversicherungsträger.

Für zukünftige Auswertungen könnten dadurch beispielsweise folgende Fragen besser beantwortet werden:

  • Wie viele Pilzvergiftungen gibt es pro Jahr in Deutschland?
  • Welche Pilzarten verursachen besonders viele Vergiftungsverdachtsfälle?
  • Wie häufig sind schwere Verläufe?
  • Welche Altersgruppen sind besonders betroffen?
  • In welchen Monaten steigt das Anrufaufkommen?
  • Wie häufig führen Pilzvergiftungen zu Krankenhausaufenthalten?
  • Wie viele tödliche Fälle treten tatsächlich auf?

Für 2026 selbst sollte man deshalb zwischen bereits verfügbaren regionalen Daten und späteren bundesweiten Registerauswertungen unterscheiden.

Pilzvergiftung: Was sollte man im Verdachtsfall tun?

Bei Beschwerden nach dem Verzehr selbst gesammelter Pilze sollte unverzüglich medizinischer Rat eingeholt werden. Das BfR empfiehlt, bei Unwohlsein nach einer Pilzmahlzeit eine Ärztin, einen Arzt oder ein Giftinformationszentrum zu kontaktieren.

Von eigenständigen Behandlungsversuchen wird abgeraten. Insbesondere sollte Erbrechen nicht ohne ärztliche Anweisung ausgelöst werden. Auch Milch ist kein geeignetes Gegenmittel. Pilzreste, Reste der Mahlzeit oder gegebenenfalls Erbrochenes können dagegen bei der Identifizierung des aufgenommenen Pilzes hilfreich sein und sollten nach Möglichkeit aufbewahrt werden.

Fazit zur Pilzvergiftungs-Statistik 2026

Die verfügbaren Daten zeigen, dass Pilzvergiftungen in Deutschland regelmäßig zu mehreren Tausend Anfragen bei den Giftinformationszentren führen. Eine belastbare Deutschland-Statistik 2026 nach Pilzarten und Schweregrad ist jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollständig verfügbar.

Besonders relevant sind Knollenblätterpilze, da sie zwar nur einen Teil der Beratungsfälle ausmachen, aber für einen sehr großen Anteil der tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich sind. Regionale Daten zeigen außerdem deutliche saisonale Schwankungen, wobei insbesondere September und Oktober eine wichtige Phase für Vergiftungsverdachtsfälle darstellen.

Mit dem seit Januar 2026 arbeitenden Deutschen Vergiftungsregister besteht erstmals die Grundlage für eine systematischere bundesweite Auswertung. Künftige Veröffentlichungen könnten deshalb deutlich präzisere Tabellen zu Pilzarten, Altersgruppen, Schweregraden und Behandlungsergebnissen ermöglichen.

Quellen und weiterführende Informationen

Nach oben scrollen