In deutschen Wäldern wachsen schätzungsweise rund 5.000 Pilzarten, doch nur etwa 40 davon gelten als beliebte Speisepilze. Wer gezielt sammeln möchte, sollte wissen, welche Pilze wann Saison haben. Dieser Pilzkalender gibt einen Überblick über die typischen Wachstumszeiten der wichtigsten Speisepilze in Deutschland, abhängig von Witterung und Region.
Wichtiger Hinweis vorab
Bevor es um Monate und Arten geht, ein zentraler Punkt: Zu fast jedem Speisepilz gibt es einen giftigen bis hochgiftigen Doppelgänger, der zum Verwechseln ähnlich aussehen kann. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) rät ausdrücklich dazu, Pilze nur dann zu sammeln und zu essen, wenn man sie wirklich sicher bestimmen kann. Im Zweifel hilft eine Pilzberatungsstelle oder ein Pilzsachverständiger vor Ort, die Funde zu überprüfen. Dieser Kalender ersetzt keine fundierte Pilzbestimmung und dient ausschließlich der allgemeinen Orientierung.
Wovon die Pilzsaison abhängt
Die Pilzsaison ist stark witterungsabhängig. Warme Temperaturen in Kombination mit ausreichend Feuchtigkeit im Boden begünstigen das Wachstum, während anhaltende Trockenheit oder Hitze die Saison verzögern oder ganz ausfallen lassen kann. Die folgenden Monatsangaben sind daher als Richtwerte zu verstehen, die je nach Jahr und Region abweichen können.
Pilzkalender: Frühjahr (März bis Mai)
| Pilz | Hauptsaison |
|---|---|
| Morchel (verschiedene Arten) | April–Mai |
| Blasiger Becherling | April–Mai |
| Mairitterling | Mai–Juni |
| Steinpilz (früh) | ab Mai |
Frühpilze wie Morcheln erscheinen oft schon im April, sobald der Boden sich erwärmt hat. Auch der Steinpilz kann bei günstiger Witterung bereits im Mai die ersten Fruchtkörper bilden, wenngleich seine eigentliche Hauptsaison erst im Sommer beginnt.
Pilzkalender: Frühsommer (Juni bis Juli)
| Pilz | Hauptsaison |
|---|---|
| Pfifferling | ab Juni |
| Parasol (Riesenschirmling) | ab Juni |
| Steinpilz | Juni–Oktober, Höhepunkt Juli/August |
| Maronenröhrling | ab Juli |
Ab Juni beginnt für viele Sammler die eigentliche Saison. Pfifferlinge wachsen bevorzugt in der Nähe von Fichten, Eichen, Kiefern, Tannen und Rotbuchen und stehen unter besonderem Schutz, weshalb sie nur in geringen Mengen für den Eigenbedarf gesammelt werden dürfen. Der Steinpilz gedeiht besonders gut nach Regenfällen an warmen Sommertagen.
Pilzkalender: Hauptsaison Spätsommer bis Herbst (August bis Oktober)
| Pilz | Hauptsaison |
|---|---|
| Steinpilz | August (Höhepunkt) |
| Maronenröhrling | August–Oktober |
| Birkenpilz | August–Oktober |
| Rotkappe | August–Oktober |
| Parasol (Riesenschirmling) | August–Oktober |
| Speisetäubling / Frauentäubling | August–Oktober |
| Krause Glucke | August–Oktober |
| Riesenchampignon | August–Oktober |
| Butterpilz | August–Oktober |
August bis Oktober gilt als die Hauptsaison mit der größten Artenvielfalt. Besonders der September bringt durch Herbstregen häufig einen zusätzlichen Wachstumsschub, sodass in diesem Monat oft die größte Auswahl an Röhrlingen, Täublingen und anderen Speisepilzen zu finden ist.
Pilzkalender: Spätherbst (November)
| Pilz | Hauptsaison |
|---|---|
| Hallimasch | bis November |
| Herbstlorchel | bis November |
| Schwefelporling | ganzjährig an Totholz, oft bis in den Herbst |
Solange der Boden nicht durchgehend gefriert, geht die Saison weiter. Hallimasch und Herbstlorcheln halten sich in milden Jahren teils bis in den November hinein. Pilze, die von Totholz leben, wie der Schwefelporling, sind zudem weniger stark von der Witterung im Boden abhängig, da sie ihre Feuchtigkeit direkt aus dem Holz beziehen.
Regeln fürs Sammeln in Deutschland
- Eigenbedarf statt gewerblicher Nutzung: Das Sammeln von Pilzen für den privaten Verzehr ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt, gewerbliches Sammeln benötigt die ausdrückliche Erlaubnis der Waldbesitzenden.
- Mengenbegrenzung beachten: Nach der Bundesartenschutzverordnung dürfen bestimmte geschützte Arten wie Steinpilz, Pfifferling, Birkenpilz oder Morchel nur in geringen Mengen für den eigenen Bedarf entnommen werden, üblich sind Richtwerte von etwa einem Kilogramm pro Person und Tag.
- Geschützte Arten respektieren: Manche Arten, etwa der Sommer-Röhrling oder Trüffelarten, dürfen aus Naturschutzgründen gar nicht gesammelt werden.
- Radioaktive Belastung im Hinterkopf behalten: Manche Pilzarten können in bestimmten Regionen noch erhöhte Werte an Cäsium-137 aus dem Reaktorunglück von Tschernobyl aufweisen. In Deutschland gilt ein Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm für den Handel; wer selbst sammelt, sollte sich bei Unsicherheit über regionale Belastungswerte informieren.
Fazit
Wer sich mit den typischen Wachstumszeiten auskennt, kann die Pilzsaison in Deutschland von den ersten Morcheln im Frühjahr bis zum Hallimasch im Spätherbst gezielt nutzen. Am ergiebigsten ist in der Regel die Zeit von August bis Oktober, wenn Steinpilz, Maronenröhrling, Pfifferling und Co. gleichzeitig Saison haben. Wichtiger als der genaue Kalendermonat bleibt jedoch immer die sichere Bestimmung: Nur wer einen Pilz zweifelsfrei kennt, sollte ihn auch essen.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine fachkundige Pilzbestimmung. Bei Unsicherheit über die Art eines gesammelten Pilzes sollte immer eine Pilzberatungsstelle oder ein Pilzsachverständiger konsultiert werden, bevor der Fund verzehrt wird.
Quellen und weiterführende Links
- Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) – www.dgfm-ev.de
- wetter.de: Pilzkalender – Wann wachsen Pfifferling & Co? – www.wetter.de
- t-online: Pilzkalender – Wann Sie welche Pilze sammeln können – www.t-online.de
- inFranken.de: Pilzsaison – Wie man giftige Pilz-Doppelgänger sicher erkennt – www.infranken.de